Changerider Interview mit CEO Thomas Hoffmeister

Unser CEO Thomas Hoffmeister wurde von Philipp Depiereux im Tesla anlässlich der AMB 2018 Messe in Stuttgart zu aktuellen Themen der Digitalisierung interviewt.


Auf 120.000 qm besuchten insgesamt über 90.000 Besucher in diesem Jahr die internationale Ausstellung für Metallbearbeitung (AMB) auf der Stuttgarter Messe. Auch das Team von Changerider, welches mit unterschiedlichsten Persönlichkeiten über den digitalen Wandel spricht, war vor Ort. Im Tesla unterwegs waren:

  • Thomas Hoffmeister, CEO / Co Founder der Fabrikado GmbH
  • Kai Ellenberger, Geschäftsführer der Ellenberger GmbH & Co. KG
  • Ulrich Kromer von Baerle, Geschäftsführer Landesmesse Stuttgart GmbH
  • Irene Bader, Director Global Marketing DMG MORI

Während des Interviews ging es vor allem um die Beantwortung der folgenden Fragen: Welche Rollen spielen externe Dienstleister im digitalen Wandel? Wie können Fertigungs- und Einkaufsprozesse digitalisiert werden?


Wie kam es zur Gründung von fabrikado? Was macht ihr genau?

Wir haben entdeckt, dass viele Lohnhersteller Probleme damit haben, kurzfristig an Aufträge zu kommen. Zurzeit sind Lohnhersteller zwar häufig voll ausgelastet, jedoch kommen diese schwer an Aufträge heran, wenn kurzfristig Lücken entstehen. Wir haben die Produktionsplattform fabrikado.com aufgebaut, in welcher Aufträge digital eingestellt werden können. Hierbei können CAD Zeichnungen direkt kalkuliert werden. Gleichzeitig werden Liefertermine und Preise mit den Kapazitäten der Lieferanten abgeglichen. Der Kunde kann sofort bestellen.

Die gleichen Daten, mit denen wir den Preis für den Kunden berechnet haben, erhält auch der Lieferant. Das heißt, der Lieferant kann auf der gleichen Basis seine Selbstkosten berechnen und braucht nicht einmal ein Angebot zu machen. Der Lieferant kann direkt sehen, ob sich der Auftrag für ihn lohnt oder nicht.

Warum müssen Unternehmen in Zeiten der Digitalisierung mit Start-Ups zusammenarbeiten?

Eins, das wir immer brauchen werden und auch auf der Messe sichtbar wurde, ist Innovation im Sinne der Effizienzsteigerung und der Optimierung von Produkten. Ein Beispiel hierfür ist, dass die Maschine immer schneller und besser läuft. Darin sind wir (in dieser Region) richtig gut. Möchte ich jedoch einen „Game Changer“, eine grundlegende Veränderung, wie beispielsweise die Veränderung meines Geschäftsmodells und der Art und Weise, wie ich meinen Kunden anspreche, oder eine Kooperation mit der Konkurrenz, mit welcher ich früher niemals sprechen wollte, kann ich dies eigentlich nur von außen machen. Diese Denkweise muss sich verändern. Ich kann nicht mehr alles bei mir entwickeln. Ich kann zwar kleine Verbesserungen im eigenen Unternehmen machen; um große Schritte zu machen, muss ich jedoch mit Start-Ups zusammenarbeiten. Dementsprechend muss ein Teil des bisherigen Forschungsbudgets in Start-Ups investiert werden. Dies muss in dem Bewusstsein geschehen, dass dies ein höheres Risiko in sich birgt und ich mehr bezahlen muss, da ja bereits das Start-Up ein Risiko für mich eingegangen ist. Es gibt daher zwei Arten von Innovationen: Die kontinuierliche Verbesserung und die grundlegende Veränderung.

Marketing und Sales werden häufig in der Digitalisierung vergessen. Gleichzeitig werden durch Onlinemarketing die B2B-Kunden gar nicht erreicht. Wie habt ihr das gelöst?

Wir haben diesen gleichen Fehler zuerst auch gemacht. Wir haben gedacht, dass durch die Plattform alle Kunden bei uns bestellen werden. Der Kunde ist jedoch eine Person, die eigentlich nur ihr Bauteil gefertigt haben möchte, und genau so muss diese Person auch beraten werden. Daher werden wir in der kommenden Phase vermehrt Personen einstellen, die unsere Kunden mit ihren Bauteilen beraten. Gleichzeitig verbessern wir auch kontinuierlich unsere digitale Produktionsplattform, wodurch immer weniger Beratungsarbeit notwendig sein wird. Dazu gehört, dass die Teile immer schneller kalkuliert werden und dass Teile, die aufgrund ihrer Komplexität schwer zu berechnen sind, immer häufiger kalkuliert werden können. Wir müssen daher einen klassischen Vertrieb aufbauen und gleichzeitig unsere digitale Produktionsplattform weiterhin verbessern. Dadurch erreichen wir eine immer höhere Skalierbarkeit unserer Prozesse.

Dein Apell nach draußen an die Zuschauer, was den Wandel bzw. die Digitalisierung angeht:

Einfach offen sein! Viele haben Angst, dass sich etwas verändert. Wir haben einen gewissen Nachteil bei uns. Wir haben keine Champions in Deutschland. Wir haben kein Google, kein Baidu wie in China. Wir haben die Angst, dass die Daten zu jemandem anderen gehen. Wir müssen (hier in Europa) eigene Champions aufbauen. Vielleicht nimmt dies uns auch die Angst vor neuen Technologien.

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